Qualifizierung - Betriebsinterne Qualifizierung mit Lernaufgabensystemen
Betriebsinterne Qualifizierung mit Lernaufgabensystemen
Eine Möglichkeit auf die Erfordernisse von KMU einzugehen und gleichzeitig den Bedürfnissen und notwendigen Rahmenbedingungen der beruflichen Weiterbildung mit Blick auf benachteiligte Zielgruppen Rechnung zu tragen, ist die Verwendung von Lernaufgabensystemen für die betriebsinterne Weiterbildung.
Was ist Weiterbildung durch Lernaufgabensysteme?
Es handelt sich hierbei um ein Konzept:
· zum systematischen und kontinuierlichen Lernen mittels Handlungen
· für unterschiedlichste Zielgruppen, auch für Lernungewohnte
· für das Lernen vor Ort
· für handlungsorientierte Qualifizierung auf der Basis einer gut begründeten Themenauswahl
· für das Lehren und Lernen von Erfahrungswissen
Eine angemessene Lerntätigkeit steht dabei im Mittelpunkt für die Lernenden. Diese zu organisieren, ist Aufgabe der Lernaufgaben und ihrer Moderation durch den Lehrenden.
Wie entstehen Lernaufgaben?
Schritte zur Realisierung von Lernaufgabensystemen:
1. Analyse der typischen Struktur der Arbeit
2. Formulierung der Gesamtlernaufgabe mit allen Teilhandlungen
3. Formulierung gestufter Lernaufgaben
4. Abfassung eines Schulungshandbuches für die Umsetzung mit allen notwendigen Methoden und Materialien
5. Schulung durch die betriebsinternen Experten
Die Moderation des gesamten Prozesses wird in der Anfangsphase von kompetenten Experten für die Verwendung von Lernaufgaben übernommen, hierbei handelt es sich zumeist um externe Berater. Bei langfristiger Verwendung von Lernaufgabensystemen zur internen Weiterbildung erscheint es sinnvoll, MitarbeiterInnen in diesem speziellen Know-How zu schulen, um nicht auf externen Sachverstand angewiesen zu sein. Die betriebsinternen Experten werden zu einer
systematischen Analyse ihrer eigenen Arbeit angeleitet und es wird eine besondere Systematik der Betrachtungsweise und Dokumentation vermittelt. Die aktive Rolle der Handlungsexperten aus dem direkten Arbeitsumfeld ist entscheidend für die Qualität der Ausarbeitungen.
Wann eignen sich Lernaufgabensysteme für die betriebsinterne Weiterbildung?
Diese Form der Weiterbildung eignet sich besonders für Arbeitszusammenhänge, die aus verschiedenen Gründen nicht mit klassischen externen Schulungen unterstützt werden können. Zum Beispiel, weil es sich um sehr spezielle, betriebsspezifische Aufgaben handelt und auf dem Weiterbildungsmarkt keine buchbaren Schulungen für diese Themen existieren. Vor allem Arbeitsaufgaben aus der Produktion und Verwaltung sind geeignet, um sie in Form von Lernaufgaben aufzubereiten. Auch für komplexe Tätigkeiten können Lernaufgaben genutzt werden, wobei in diesem Fall der Aufwand der Erstellung mit dem Nutzen für das Unternehmen abzuwägen ist. In diesen und anderen Fällen sind Lernaufgabensysteme sehr gut geeignet, weil sie eine arbeitsintegrierte Alternative eröffnen. Sie werden von Handlungsexperten erstellt und von diesen dann auch unmittelbar vor Ort umgesetzt. Somit ist diese Form der betriebsinternen Qualifizierung besonders geeignet für KMU.
Resumée: Vorteile der Verwendung von Lernaufgabensystemen
· Mit Lernaufgabensystemen entstehen konkrete, handlungsorientierte Schulungen.
· Die Schulung mit Lernaufgaben eignet sich besonders für KMU, da sie relativ kostengünstig und betriebsintern statt findet.
· Die besonderen Bedürfnisse von benachteiligten Zielgruppen können berücksichtigt werden, u.a. da arbeitsintegriert gelernt wird und das Tempo individuelle bestimmt werden kann.
· Die Möglichkeiten der Selbstorganisation von Lernprozessen werden ausgeschöpft und ihre motivierende Wirkung genutzt.
· Durch die detaillierte Betrachtung der eigenen Aufgaben bei der Erstellung der Lernaufgabensysteme wird wichtiges informelles Erfahrungswissen bewusst gemacht und kann weitergegeben werden.
· Besonders ältere MitarbeiterInnnen können ihre Erfahrungen weitergeben.
· Handlungsexperten werden zu Schulungsexperten (Learning by teaching)
· Wichtiges betriebsinternes Wissen wird gesichert.
· Es gibt einen „eingebauten“ Multiplikatoreffekt, da die Art der Entstehung der Lernaufgaben die Weitergabe von Experte zu Experte aus sich heraus nahe legt.
· Die Schulungshandbücher für Lernaufgabensysteme sind auch für Dritte im Betrieb nutzbar, z.B. für die Zertifizierung im Rahmen der ISO 9001.
· Aus dem Lernaufgabensystem kann z.B. ein Qualitätshandbuch abgeleitet werden, das wichtige Qualitätsprinzipien vor Ort visualisiert.![]()
Quelle:
- Großmann, N. & T. Krogoll 2005. Ausbilden mit Lernaufgaben. Band 1: Lernaufgaben erstellen.
Konstanz: Christiani.



